Eye Camp

2. Eye Camp – August 2010 – St. Joseph Hospital, Moshi, Tansania

Bericht: Andrea Ochabauer

Vorbereitungsarbeiten für das Eye Camp

Ich traf am Diens­tag­nach­mit­tag in Moshi ein. Wie schon ver­gan­ge­nen Jän­ner im Kwa­l­ukon­ge Health Cen­ter mach­te ich auch die­ses Mal die Vor­un­ter­su­chun­gen für das Eye Camp im St. Joseph Hos­pi­tal. Das Team von „Sehen ohne Gren­zen“ star­te­te am Sams­tag mit den Ope­ra­tio­nen. Ich hat­te vier Tage Zeit für die Vor­be­rei­tun­gen und Vor­un­ter­su­chun­gen. Father Peter Moha­ti von den Ros­mi­ni­ans, der auch schon beim Eye Camp im Jän­ner mit­ge­ar­bei­tet hat­te, unter­stütz­te mich tat­kräf­tig. Er dol­metsch­te für mich und führ­te auch den Seh­test mit den Pati­en­ten durch.

Es war das ers­te Mal, dass im St. Joseph Hos­pi­tal Augen­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt wur­den. Die­ses Kran­ken­haus gehört den Kili­man­ja­ro Sis­ters. Die Lei­te­rin, Sis­ter Dr. Urba­ni Lyimo, ist vie­len von Life Earth bes­tens bekannt – sie war auch schon drei Mal in Österreich.

Das Eye Camp dau­er­te dies­mal drei Tage. Pri­mar Dr. Mar­kus Grasl vom LKH Bruck an der Mur führ­te die Kata­rak­t­ope­ra­tio­nen (Grau­er Star) durch. Wir hat­ten jetzt schon rund 60 Pati­en­ten unter­sucht, bei vie­len war der Graue Star bereits so dicht, dass sie bei­na­he blind waren. Mit Hil­fe der Ope­ra­ti­on sind die­se Men­schen wie­der in der Lage, den All­tag allei­ne zu meis­tern. Aber nicht jeder kann sich eine Kata­rak­t­ope­ra­ti­on leis­ten – und gera­de die­sen Pati­en­ten hel­fen die Orga­ni­sa­tio­nen „Life Earth“ und „Sehen ohne Gren­zen“. Es ist für mich schon ein spür­ba­rer Unter­schied zwi­schen der Bevöl­ke­rung hier, am Fuße des Kili­man­ja­ro, und den Men­schen in Kwa­l­ukon­ge, einem Mas­sai­ge­biet in der Regi­on Tan­ga. Die Leu­te hier sind viel selbst­be­wuss­ter. Sie haben auch leich­ter Zugang zu medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung und zu Bildungseinrichtungen.

Niko­laus Girst­mair (HTL Leh­rer aus Lienz) hat­te dies­mal unse­re Spalt­lam­pe aus Öster­reich auf­ge­baut und in Betrieb genom­men. Ich war wirk­lich froh, bis­her hat­te ich ein uraltes Gerät aus dem Kibosho-Hos­pi­tal (Moshi) leih­wei­se zur Ver­fü­gung. Die­sen Nach­mit­tag erhielt ich auch ein Inter­net-Modem. Wirk­lich ein Glücks­tag! Oft sind es Klei­nig­kei­ten, die bei uns zu Hau­se selbst­ver­ständ­lich sind und hier zu einem Pro­blem wer­den kön­nen. Aber letzt­end­lich fin­det sich immer eine Lösung. Man muss nur – wie bei Life Earth-Ein­sät­zen in Afri­ka bereits bes­tens bekannt – immer einen Plan B oder Plan C bereit haben. Impro­vi­sa­ti­ons­küns­te sind in Afri­ka immer sehr gefragt.

Es war zehn Uhr abends, ich kam gera­de von der Fare­well-Par­ty, die Sis­ter Dr. Lyimo für ein ame­ri­ka­ni­sches Chir­ur­gen­team orga­ni­siert hat­te. Sie hat­ten zwei Wochen lang all­ge­mein­chir­ur­gi­sche Ope­ra­tio­nen im St. Joseph Kran­ken­haus durch­ge­führt. Am nächs­ten Tag flo­gen sie zurück nach Flo­ri­da. Gut so, denn danach brauch­ten wir den Ope­ra­ti­ons­saal. Nach den Unter­su­chun­gen berei­te­ten wir den Ope­ra­ti­ons­saal für das Eye Camp vor. Also wie­der ein lan­ger, arbeits­rei­cher Tag, aber auch ein gutes Gefühl, den Men­schen hier zu helfen.

 

Das Eye Camp im St. Joseph Hospital in Moshi

Samstag, 7. August 2010:

Frei­tag am spä­ten Nach­mit­tag hat­ten wir die Vor­un­ter­su­chun­gen für das Eye Camp abge­schlos­sen. Wir hat­ten sehr vie­le Pati­en­ten für das Scree­ning, die genaue Anzahl war erst nach dem Abschlie­ßen aller Pati­en­ten­un­ter­la­gen bekannt.

Das Team von „Sehen ohne Gren­zen“ kam wohl­be­hal­ten und mit all dem Gepäck für das Eye Camp in Moshi an. Nicht so gut erging es Ger­hard Gindl von Life Earth. Sei­ne Tasche kam nicht in Nai­ro­bi an. Bis­lang gab es kei­ne Infor­ma­ti­on über den Ver­bleib. Das war natür­lich sehr ärger­lich, denn sei­ne gan­ze Aus­rüs­tung für die Kili­man­ja­ro-Bestei­gung befand sich in die­ser Tasche.

Dr. Mar­kus Grasl führ­te die Augen­ope­ra­tio­nen durch, er wur­de unter­stützt von Diplom­kran­ken­schwes­ter Maria Gru­ber, eben­falls vom LKH Bruck, und sei­nem Sohn Ste­fan Grasl aus Wien. Für die Vor­be­rei­tung und Vor­un­ter­su­chung vor Ort waren zustän­dig: Dr. Chris­ti­an Mlundwa vom Kibosho-Hos­pi­tal, Father Peter Baha­ti und ich. Unter­stützt wur­den wir von Dr. Rudolf Sie­ben, einem Gast aus Deutsch­land (Aachen).

Sams­tag um 9 Uhr mor­gens traf unser Augen­team im St. Joseph Hos­pi­tal ein. Es dau­er­te rund 1,5 Stun­den bis alles an sei­nem Platz war, das Ope­ra­ti­ons­mi­kro­skop mon­tiert, der Ste­ri­li­sa­tor getes­tet, das gan­ze Equip­ment griff­be­reit und sich jeder sei­nen Arbeits­platz orga­ni­siert hat­te. Wir waren bereits ein ein­ge­spiel­tes Team, alles ging schnell und rei­bungs­los. Nur ein­mal war Plan B not­wen­dig, das Bio­me­trie­ge­rät streik­te. Glück­li­cher­wei­se hat­ten wir dank Dr. Mlundwa eine Stun­de spä­ter ein Ersatz­ge­rät aus Kibosho zur Ver­fü­gung. Der HTL Leh­rer Niko­laus Girst­mair hat uns auch durch sei­ne Tätig­keit die Arbeit sehr erleich­tert (Höhen­ver­stel­lung an der Spalt­lam­pe und diver­se ande­re Dinge).

Dr. Grasl hat­te am Vor­tag an zehn Pati­en­ten Kata­rak­t­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt. Teil­wei­se sehr schwie­ri­ge Fäl­le, die von ande­ren Kran­ken­häu­sern hier in der Kili­man­ja­ro-Regi­on abge­wie­sen wur­den. Ope­ra­ti­ons­be­trieb war bis 19 Uhr. Die Atmo­sphä­re war sehr ange­nehm. Der deutsch-öster­rei­chi­sche Schmäh lief gut. Auch unse­re Extrem-Sport­ler vom Pro­jekt „Bot­tom to Top“, der blin­de Berg­stei­ger Andy Hol­zer und Franz Preihs, hat­ten uns am Nach­mit­tag besucht. Müde und erschöpft, aber guter Lau­ne kehr­ten wir ins Ken­yat­ta Hotel zurück.

Sonntag, 8. August 2010:

An die­sem Mor­gen gab es bei der Visi­te vie­le glück­li­che Pati­en­ten. Das ist wirk­lich der schöns­te Moment bei den Eye Camps. Man­che kön­nen es gar nicht fas­sen, dass sie nach so lan­ger Zeit im Dun­keln wie­der sehen kön­nen. Da flie­ßen auch manch­mal Freu­den­trä­nen. Ins­ge­samt wur­den an die­sem Tag an zwölf Per­so­nen Kata­rak­t­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt. Dr. Rudolf Sie­ben hat­te uns auch wie­der unterstützt.

Am Abend kehr­ten Ger­hard, Niko­laus und Micha­el (HTL Schü­ler) erfolg­reich aus Aru­sha zurück. Die Solar­an­la­ge im „Tumai­ni Health Cen­ter“ konn­te erfolg­reich instal­liert wer­den. Gemein­sam ver­brach­ten wir einen schö­nen Abend im Restau­rant „El Ran­cho“. Das Essen und die Stim­mung waren sehr gut.

Montag, 9. August 2010:

Es war der letz­te Ope­ra­ti­ons­tag unse­res Eye Camps. Wie schon in den ver­gan­ge­nen zwei Tagen war auch an die­sem Tag wie­der ein bun­tes Trei­ben vor unse­ren Behand­lungs­räu­men. Die Pati­en­ten war­te­ten auf die Ope­ra­ti­on, ande­re wur­den nach einer Nacht Spi­tals­auf­ent­halt ent­las­sen. Alle wur­den von Ange­hö­ri­gen eskor­tiert, es war eine gro­ße Sache für die Men­schen hier. Es wur­de den gan­zen Tag ope­riert, das Team war gut ein­ge­spielt, alles ver­lief ohne Komplikationen.

Nach einer kur­zen Mit­tags­pau­se hat­ten wir auch Besuch von der natio­na­len Eye­ko­or­di­na­to­rin Dr. W. H. Shan­ga­li. Sie wur­de von der Regie­rung bestellt, um durch ver­bes­ser­te augen­ärzt­li­che Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung, Blind­heit weit­ge­hend zu ver­hin­dern. Sie koor­di­niert Augen­pro­jek­te in der Kilimanjaro-Region.

Zwölf Pati­en­ten wur­den an die­sem Tag von Mar­kus Grasl operiert.

Gesamtstatistik
Eye Camp – August 2010

  • 183 Unter­su­chun­gen
  • 40 Ope­ra­tio­nen

Fotogalerie

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